Bibel lesen -Tipps



Origines, der Kirchenführer in der frühen Kirche, lehrte die „ Lectio Divina = göttliche Lesung “ ( Die Lesung der Heiligen Schrift )

Dazu lehrte er die vier Schritte: Lectio – Meditatio – Oratio – Contemplatio

Lectio
( „ Lesung“ )
Der erste Schritt besteht in der Textlesung, die ganz langsam geschehen soll ( „ wie beim ersten Mal“ ). Ich möchte nicht meine theologischen Kenntnisse erweitern, sondern ich möchte mich von Gottes Wort ansprechen lassen. Ich möchte im Lesen der Bibel, Gott, dem Heiligen Geist, begegnen, der zu mir sprechen will .

Meditatio ( „ wiederholen/ verinnerlichen“ )
Das Wort soll in mein Herz fallen. Dazu versuche ich Gottes Wort zu kauen und zu schmecken. Ich wiederhole es immer wieder in meinem Herzen.
Beispiel: Maria, die Mutter Jesu
Lukas 2:19 „ Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog ( „ symballousa“ = hin und her werfen, bis es eins wird ) sie in ihrem Herzen.“ Das Wort Gottes im Herzen bewahren und hin und her bewegen, bis man es versteht/ es uns „erleuchtet“, das Wort unser Unbewusstes durchdringt und es in uns lebt.

Oratio ( „ Beten“ )
Das empfangene „Reden Gottes“ im Herzen glauben und jetzt „aussprechen“, damit es seine schöpferische Kraft entfalten kann. Gebet als Bekenntnis der Wahrheit !

Contemplatio ( „ Eins werden/ inneres Schauen“ )
Die ersten drei Schritte können und müssen wir üben, aber der letzte Schritt ist ein Geschenk !
Wir verbleiben in der Stille vor Gott und wollen Gott berühren und mit ihm eins werden. Alles eigene Nachdenken hört auf ( ich lasse alle eigenen Gedanken und Bilder, Wünsche los ), sondern wir wollen uns von ihm erfüllen lassen: „ Rede, Herr, denn dein Knecht/ deine Magd hört!“ – wir wollen uns in ihm vergessen.
Was immer Gott an Gedanken in deinen Geist hineinlegt – schreibe sie auf ! Prüfe die Impulse und dann handle!Nur vom Lesen der Speisekarte ist noch niemand satt geworden !
Resultat:
Indem ich das Wort durch den Heiligen Geist in mir wirksam werden lasse, verwandelt es mich. Nicht Verwandlung durch Willensanstrengung, sondern durch „ Sein vor Gott“ ! ( 2. Korinther 3: 17+18 )

Zwei weitere Wege der Annäherung an die Bibel:

Das "Bibel teilen":

1.Sich öffnen für die Gegenwart Gottes in Lied oder Gebet
2.Vorlesen des Bibeltextes reihum
3.Vertiefung, indem die Einzelnen Worte, Sätze, oder Satzteile, die ihnen besonders auffallen, wiederholen.
4.Schweigen, während einer den Text noch einmal vorliest
5.Mitteilen der einzelnen Teilnehmer – „ Was hat mich besonders berührt ?“
6.Austauschen über den Hauptgedanken des Textes und seine Bedeutung für mein Leben
7.Im Gebet werden Dank, Bitten und Fragen vor Gott getragen.

Die " Spurensuche":

Auf das konkret Erlebte der letzten Woche schauen und dann fragen, welche Anregungen die Bibel zur Lebenssituation geben kann

1.Einstimmungsgebet, um die Aufmerksamkeit des Herzens auf die Gegenwart Gottes zu richten.
2.Erinnern: Was hat mich in den vergangenen Tagen besonders umgetrieben, beeindruckt, angerührt ?
3.Erzählen: Wir erzählen einander, was uns wichtig ist und hören den anderen wach zu.
4.Entdecken: Was fällt mir/ uns bei diesen Erinnerungen besonders auf ? Wo kann ich Gottes „Spuren“ erahnen, seine Nähe, seine Schönheit, Führung, Lasten und Anliegen, aber auch seine Formungsprozesse und Unbegreiflichkeiten ?
Welche Anregungen, Impulse, Hinweise gibt dazu die Heilige Schrift ?

5.Antworten: Wozu fühle ich mich gedrängt:
Zum Danken, Fragen, Klagen, Bitten, Schenken, zur Veränderung ?
6.Abschlussgebet: Gott danken für seine Begleitung, bitten um Kraft für das, was zu tun ist, und um Geduld für das, was schwer zu verstehen ist.