Ganz am Anfang der Reformation hatte Martin Luther eine klar biblische Sicht der Taufe. Später entfernte er sich immer weiter davon, da er es sich nicht leisten wollte wegen der Tauffrage die nötige Unterstützung der Fürsten zu verlieren, Schade eigentlich! Am Ende lehrte er nur noch „Die Taufe ist ein Geschenk Gottes - und kein menschlicher Verdienst“.
Luther spürte die Spannung zwischen seiner Rechtfertigungslehre (der Glaube allein und nicht die Werke sind entscheidend) und der damaligen allgemeinen Tauflehre der Kirche (das Sakrament der Taufe, nicht der Glaube des Getauften ist entscheidend). Er schrieb:
„Vielleicht möchte meinen obigen Worten entgegen gesetzt werden die Taufe der kleinen Kinder, die die Verheißung Gottes nicht verstehen, auch den Glauben der Taufe nicht haben können, darum entweder der Glaube nicht erfordert würde oder die Kinder vergebens getauft werden.“ (WA Bd. 6, S. 538,4).
Der Reformator Martin Luther stammte aus der Katholischen Kirche und wollte diese reformieren, woraus später aber die separate Reformierte Kirche entstand.
Zum Thema der Kindertaufe schrieb er am Anfang der Reformation, dass die Kleinkinder in der Kirche bisher entweder unnötig getauft werden, oder aber man nicht weiterhin den Glauben des Täuflings als Voraussetzung für die Taufe sehen könne, denn Kleinkinder können noch nicht viel von den Verheißungen Gottes für ihr Leben verstehen, noch einen echten Glauben haben könnten.
Luther versuchte einerseits die Kindertaufe beizubehalten und anderseits seinem Grundsatz sola scriptura -ich glaube nur was ich mit der Bibel begründen kann- treu zu bleiben. Die Probleme waren ihm bekannt, wie seine Schriften zeigen. Luther bestand jedoch darauf, dass VOR der Taufe der persönliche Glaube da sein muss. „Stellvertretenden Glauben“ lehnte er ab. In seiner Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanias (Matth. 8,1-13) lesen wir:
„Vor diesem Gift und Irrtum (als ob die Sakramente an sich die Kraft hätten, dem Menschen die Sünden zu vergeben) hüte dich, wenn es gleich aller (Kirchen =) Väter und Konzilien ausgedrückte Meinung wäre; denn sie besteht nicht, hat keinen Grund in der Schrift für sich, sondern eitlen Menschendünkel und Träume. Dazu ist sie stracks wider die vorigen Hauptsprüche, da Christus spricht: „Wer glaubt und getauft wird, der soll selig werden“ usw., - dass kurzum beschlossen ist: „Taufe hilft niemand, ist auch niemand zu geben, er gläube denn für sich selbst, und ohne eigenen Glauben niemand zu taufen ist.“...
Luther stellt hier unmissverständlich klar, dass er gegen den stellvertretenden Glauben der Taufpaten ist, da so etwas eine menschliche Erfindung sei und der Bibel, dem Wort Gottes, widerspricht. Wer nicht selbst, bewusst, eigenständig und freiwillig glaubt, der darf nicht getauft werden!
„Über diese sind etliche andere, wie die Brüder Waldenses genannt, die halten, dass ein jeder müsse für sich selbst glauben und mit eigenem Glauben müsse die Taufe oder das Sakrament empfangen, wo nicht, so sei ihm die Taufe oder das Sakrament kein nütze.
Als nächstes schreibt Luther über die Waldenser, das es richtig ist, dass diese den eigenen persönlichen Glauben des Täuflings betonen und voraussetzen.
Dann entdeckt er aber bei dieser Gruppe einen Widerspruch, weil diese selbst Kleinkinder, die „keinen eigenen Glauben haben“ taufen, was er als unnötigen Missbrauchs des Namen Gottes bezeichnet.
„Sofern reden sie und halten sie recht. Aber dass sie zufahren und taufen gleichwohl die jungen Kinder, welche sie auch halten für die, die keinen eigenen Glauben haben, das ist ein Spott der heiligen Taufe, und sündigen wider das andere Gebot, dass sie Gottes Namen und Wort unnütz und vergeblich führen mit Wissen und Mutwillens.
Luther erkennt ganz klar an, dass der Glaube VOR der Taufe persönlich bei dem Kind vorhanden sein muss. Der Glaube bedeutet für ihn auch, dass man vorher bewusst umgekehrt ist, sich von der eigenen Sünde bewusst abgewendet hat! Den stellvertretenden Glauben der Paten für das Kind bezeichnet er klar als eine Lüge.
„Es hilft auch nichts die Ausrede, dass sie sagen, die Kinder taufe man auf ihren zukünftigen Glauben, wenn sie zur Vernunft kommen, denn der Glaube muss vor oder in der Taufe da sein, sonst wird das Kind nicht los vom Teufel und von der Sünde. Darum, wenn ihre Meinung recht wäre, so müssten das alles eitle Lügen sein, das mit dem Kinde in der Taufe gehandelt wird. Denn da fragt der Täufer, ob das Kind glaube, und man (die Paten) antwortet: „Ja“ an seiner Statt. Nun wird doch niemand an seiner Statt getauft, sondern es wird selbst getauft. Darum muss es auch selbst glauben oder die Paten lügen, wenn sie sagen an seiner Statt: Ich glaube. –
Hier ist Luther auch konsequent und sagt, dass die Kirche dort, wo sie den Glauben der Täuflinge nicht prüfen kann, auch konsequent sein sollte und die Gotteslästerung der Kindertaufe einstellen muss.
„Wo wir nun nicht können beweisen, dass die jungen Kinder selbst glauben und eigenen Glauben haben, da ist es mein treuer Rat und Urteil, dass man stracks abgehe, je eher, je besser, und taufe nimmermehr kein Kind, dass wir nicht die hochgelobte Majestät Gottes mit solchen Alfanzen und Gaukelwerk, da nichts hinter ist, spotten und lästern“ (Erl. Ausg. 11,60ff.).
Aus diesen Aussagen Luthers werden drei Tatsachen deutlich:Persönlicher Glaube ist für die Taufe notwendig. Ohne das Vorhandensein von Glauben darf nicht getauft werden. Der persönliche Glaube ist für Luther beim Empfang der Taufe unerlässlich.
Deshalb taufen wir als Freikirche nur Erwachsene, die vor der gesamten Gemeinde und vor Gott ihren Glauben an Jesus öffentlich durch den persönlichen Lebensbericht einer Umkehr bezeugen können und tun.Man kann Kinder nicht auf ihren zukünftigen Glauben taufen, denn der Glaube muss vor und in der Taufe da sein. An diesem Punkt verurteilt Luther die Waldenser, da sie in Erwartung des zukünftigen Glaubens des Kindes tauften.
Da wir als Freikirche ebenso wenig wie irgendeine andere Kirche Einfluss auf den freien Willen der Menschen haben, sind wir ehrlich und konsequent, und segnen lediglich unsere Kleinkinder in der Gemeinde, weil Jesus dies im Neuen Testament auch getan hat. Willentlich zu Jesus umzukehren, dass müssen unsere Kinder selbst wenn sie es verstehen und wollen.
3. Es gibt keinen „stellvertretenden Glauben“. Wenn die Kinder keinen eigenen Glauben haben, sollen sie auch nicht getauft werden.
Deshalb erkennen wir als Freikirche die Kindertaufe auch nicht als eine Taufe an, sie ist für uns lediglich eine Kindersegnung unter falscher Verwendung von Wasser. Ein Erwachsener, der als Kind getauft wurde und nun eine Glaubenstaufe wünscht, wird nicht zu einem „Wiedertäufer“, sondern wird zum ersten Mal auf den Namen Jesus getauft. Diese Erfahrung kann er auch nicht beliebig oft wiederholen, sowie man nicht mehrfach mit Jesus beerdigt werden kann, sondern sie sollte als seine Taufe auch von anderen vollwertig anerkannt werden.
Abschließend ein Zitat von Luz Ulrich, einem der führenden Bibelausleger der protestantischen Kirche, dem NT-Professor an der Uni Bern, in seinem Kommentar zu Mt 19:14-15 aus der führenden Kommentarreihe Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament:
„So ist die Wirkungsgeschichte ein Beispiel dafür, wie wenig auch in den protestantischen Kirchen des Wortes ein biblischer Text gegen die Allmacht der Tradition und der Liturgie ausrichten kann. Exegetisch sicher ist, dass man die Säuglingstaufe nicht mit Mt 19,13-15 begründen kann. Sehr wahrscheinlich ist, dass man sie überhaupt nicht mit dem Neuen Testament begründen kann. Sie ist historisch vielmehr eine Folge der Veränderung der sozialen Gestalt der Kirche in Nachneutestamentlicher Zeit und höchstens indirekt auch eine Konsequenz der neutestamentlichen Verkündigung der Gnade.
Ich möchte hier als Exeget unsere Kirchen vor allem um größere und zwar öffentlich bekundete Ehrlichkeit gegenüber dem biblischen Text bitten. Dass Priester und Pfarrer/innen wider besseres exegetisches wissen unseren Text bei Säuglingstaufen kommentarlos verwenden und so zur biblischen Zementierung einer vermutlich unbiblischen Kindertaufe fortlaufend beitragen und dass Kirchenleitungen dies sogar sehr oft von ihnen verlangen, ist Missbrauch der Bibel. Die biblischen Texte können sich dagegen nicht wehren, und es ist Aufgabe der Exeget/innen, dies stellvertretend für sie zu tun. (S.117)
Sebastian Jarosik