Brauchen wir Werte?!


Ein Spitzenpolitiker erschwindelt sich einen Doktorhut und leugnet bei Aberdutzenden von plagiierten Stellen den Vorsatz.
Und ein Jahr zuvor, 2010: Eine reformpädagogische Schule verschleppt, wie die katholische Kirche, über Jahre und Jahrzehnte hinweg die Aufklärung von Missbrauchsfällen an Schutzbefohlenen.
2009: Die Deutsche Bahn gibt zu, eine Rasterfahndung bei drei Vierteln ihrer Mitarbeiter durchgeführt zu haben.
2008: Der Spitzenmanager der Deutschen Post tritt wegen später erwiesener Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zurück, nicht ohne sich ein Jahr später Pensionsansprüche in Höhe von 20 Millionen Euro sowie für zwei Monate Tätigkeit im selben Jahr, in dem die Post Milliardenverluste machte, als einziger Vorstand gut 700000 Euro auszahlen zu lassen.
2007: Die Tour de France versinkt im Dopingskandal, und weil ein deutscher Fahrer in einem deutschen Team beteiligt ist, bricht das öffentlich-rechtliche Fernsehen hierzulande zum ersten Mal die Berichterstattung ab.
2006: Ein Unternehmensvorstand gesteht, dem Lustmädchen seines Betriebsratsvorsitzenden zur Pflege des Mitbestimmungsklimas Hunderttausende von Euros aus der Firmenkasse überwiesen zu haben.
Wir können diese Liste beliebig weiter ausführen.
Jede gesellschaftliche Sphäre kennt ihre eigene Form von Korrumpiertheit: Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Erziehung, Religion, Sport. Mal geht es um Titel, mal um Geld, mal um Machtmissbrauch. Stets sind die Skandale auch nur ein Beispiel für Verstöße, die weit verbreitet sind: für Ghostwriting, rücksichtsloser Umgang mit Organisationsmitgliedern, Scheinheiligkeit, illegale Bereicherung. Und bei Überführung der Schuldigen lautet die kollektive Antwort: Cosi fan tutte, so machen es alle.

„Wenn ich in Versuchung gerate zu lügen“, schreibt der amerikanische Philosoph K.A. Appiah in seiner gerade auf Deutsch erschienenen Abhandlung über den gesellschaftlichen Ehrenkodex („Eine Frage der Ehre oder Wie es zu moralischen Revolutionen kommt“), „gibt es eine Reihe guter Gründe, dieser Versuchung zu widerstehen. Der einfachste Grund läge darin, dass es falsch wäre, so zu handeln.“ Das Richtige zu tun, weil es richtig ist – klingt simpel und logisch!
Die Bibel gibt uns den Rat: "Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben." (Sprüche 14:34)
Ich glaube hinter diesem gewichtigen Satz steckt eine tiefe Weisheit: Wo die Gerechtigkeit in einem Gemeinwesen systematisch und dauerhaft verletzt wird, da wird dieses Gemeinwesen krank, da gedeiht Unduldsamkeit, Hass und Gewalt. Und umgekehrt gilt dann: Wo ein Gemeinwesen in seinen Grundfesten auf Gerechtigkeit gebaut ist, wo immer neu nach der Gerechtigkeit gesucht und für sie gestritten wird, da blüht dieses Gemeinwesen. Da werden auch schwierige Probleme im Geiste der Achtung und der gegenseitigen Solidarität angegangen. Da sind die Chancen gut, dass Konflikte friedlich gelöst werden können.
Es lohnt sich, diesen Werte-Begriff inhaltlich zu füllen, so dass er Orientierung zu geben vermag in den schwierigen Fragen unserer Zeit.

Grabt mit uns zusammen die verlorenen WERTE wieder aus – und sorgt mit uns dafür, dass sie in unseren Familien und Gemeinschaften wieder gelebt werden.

Matthias